Grüntee-Anbau in der Schweiz – meine Erfahrung

Aktualisiert: 13. Aug.

In diesem Artikel berichte ich über meine bisherigen Erfahrungen mit dem Grünteeanbau in der Schweiz. Auf was muss man achten? Welche Fehler habe ich gemacht? Meine Tipps und Tricks.


Vielleicht haben Sie auch schon gedacht, es wäre toll den selbstgezogenen Grüntee trinken zu können und zum Selbstversorger zu werden. Was würde dies an Flugmeilen vom Teeimport und die CO2-Bilanz verbessern... So ist es mir vor einigen Jahren ergangen. Da ich auch schon viele Jahre erfolgreich marokkanische Minze kultiviert hatte, dachte ich es könnte auch mit Grüntee klappen.


Den Impuls für den Start ist jedoch zufällig gekommen, mehr dazu weiter untern bei "1. Versuch...".


Was ich schon einmal sagen kann, die Produktion von gutem Grüntee ist eine sehr grosse Herausforderung in der Schweiz. Es erfordert sehr viel Erfahrung im Anbau und der Verarbeitung und klimatische Bedingungen, welche einen Anbau möglich machen.

Qualitativ hochwertigen Grüntee, wie z.B. die japanischen Grüntees, produzieren zu können ist vermutlich beinahe unmöglich in der Schweiz. Das Klima hier ist zu hart und es ist generell zu wenig Infrastruktur (Ernten, Dämpfen, Rollen, etc.) vorhanden, geschweige von der Erfahrung.


Mein Anspruch war jedoch einfach trinkbaren Grüntee herstellen zu können und dann über die Jahre die Qualität laufend zu steigern.


1. Versuch mit Stecklingen aus dem Tessin (2015-2017) - Standort: Zürich-Höngg, Schweiz


Per Zufall bin ich zu meinen ersten Camellia Sinensis - Stecklingen gekommen. Ich war im Juli 2015 im Locarno (Tessin) in den Ferien und besuchte den Kraftort Monte Verità, hoch oben über Ascona. Im Jahr 205 hat der Teephilisoph, Peter Oppliger, die Bewilligung erhalten, dort eine Teeplantage (inkl. Zen-Garten und Pavillon) und einem echtem japanischen Teehaus zu errichten. Als Grünteefan war für mich klar, dass ich den Teegarten genau studiere und auch einen Besuch im Teehaus (Casa del Tè) machen werde. Beim Eingang standen ein paar Stecklinge und wie mir Peter Oppliger auf Anfrage sagte, waren diese auch zu kaufen. Nach kurzem Überlegen habe ich zwei Pflanzen gekauft.


2 Stecklinge Camellia Sinensis von der Monte Verità - Teeplantage
Stecklinge Camellia Sinensis von der Monte Verità - Teeplantage

Die Pflanzen sind anfangs auch bei mir auf dem Balkon in Zürich gut gediehen. Probleme hatte ich teilweise mit der richtigen Menge Wasser geben - entweder gab ich zu viel oder zu wenig. Die Pflanzen vertragen ja keine Staunässe, wie ich gelesen hatte. Der Standort auf meinem Balkon war vermutlich auch nicht perfekt. Es kann da im Sommer sehr heiss werden. Optimal wäre ja Halbschatten im Sommer und sonst aber viel Sonnenlicht.


Zur Überwinterung hatte ich die Pflanzen im Dezember 2015 ins Treppenhaus genommen. Dort sind jeweils ca. um die 10 Grad. Die Pflanzen hatten dann im Dezember/Januar sehr schön geblüht. Aber es war wohl zu heiss in Kombination mit zu viel Wasser hatte ich starken Schädlingsbefall. Musste deshalb mit dem Wassergeben stark reduzieren.


Nachher im 2016 verholzten die Pflanzen mehr und mehr und sind das Jahr durch nicht mehr gross gewachsen. Vermutlich hätte ich die Pflanzen da zurückschneiden sollen, was ich nicht gemacht hatte.


Nach einem weiteren Überwintern im Treppenhaus hatte ich die Pflanzen im Frühjahr dann entsorgt, da es kaum noch Blätter gab. Ein Profi hätte die Pflanzen vielleicht noch retten können, was ich mir aber nicht zugetraut hatte.


Grösste Fehler:

  • Zu kalkhaltiges Wasser

  • Teilweise Staunässe gehabt (zu viel oder dann zu wenig Wasser gegeben)

  • Überwinterung im Treppenhaus war nicht optimal. Vermutlich zu warme Temperaturen, was in Kombination mit zu viel Wasser, zu Schädlingbefall geführt hat.


2. Versuch mit Stecklingen "Tea by me® von baldour (2019-heute) - Standort: Zürich-Höngg, Schweiz


Im Jahr Mai 2019 wollte ich nochmals ein Versuch starten und hatte dazu bei baldur-garten.ch drei winterharte Teestecklinge "Tea by me®" bestellt. Baldur-garten ist auch in Deutschland, Österreich und den Niederlanden präsent.

Drei Stecklinge Camellia Sinensis
Frisch umgetopfte Stecklinge Camellia Sinensis

Was wollte ich diesmal besser machen?

  • Staunässe vermeiden. Falls zu viel Wasser, dann überschüssiges Wasser aus dem Untersatz saugen.

  • Nur entkalktes Wasser geben. Britta-Filter dazu benutzen

  • Anderen Standort: An der Wand, wo etwas mehr Sonne ist und auch im Winter abwärme. So sollten die Pflanzen draussen überwinterbar sein.


2019: Als Standort hatte ich diesmal einen Platz nähe Balkontüren und Wand genommen, damit es noch etwas Abwärme und sonst mehr Sonnenlicht gab. Gegossen habe ich nur noch kalkfreies Wasser, was den Pflanzen gut zu bekommen schien. Als Dünger verwende ich alle 3-4 Monate einen normalen Bio-Gemüse-Dünger aus der Migros (Bild folgt).


2019/2020: Ich hatte ich die Pflanzen draussen überwintert. Dazu hatte ich diese mit Fliessen aus dem Baumarkt eingepackt und nur leicht gegossen über den Winter (nur bei >5 Grad Celsius). Eine Blühte hatte ich bisher nicht gesehen.

2020/2021: Die Pflanzen wurden wieder draussen überwintert, wie im Vorjahr. Eventuell wäre auch ein Treibhaus hilfreich.

2021/Mai: Pflanze leicht zurückgeschnitten, da teilweise am verholzen. Danach neue Triebe gekommen.


2021/12/15: Im Dezember hatte eine Pflanze erstmals Blütenknospen produziert (letztes Bild der nachfolgenden Kollektion). Komischerweise nur eine von drei Pflanzen. Weiss jemand wieso?



2021/12/30: Winterschutz für die zarten Pflanzen. Auch wenn diese Züchtung ziemlich winterhart (bis -5 Grad) sein sollte, ist dies nicht im Topf der Fall. Es braucht einen Winterschutz. Ich habe dazu zu Wintervlies und Kokosmatten gegriffen. Wichtig ist, dass man sowohl den Topf als auch die Pflanzenerde vor Bodenfrost schützt. Die letzten Jahre ist mir das relativ gut gelungen. Hier wie es in der Praxis ausgeschaut hat.




Fazit


Normalerweise habe ich einen grünen Daumen und konnte bisher alles gut Anbauen, aber mit der Grünteepflanze habe ich so meine Mühe. Beim 2. Versuch scheint es besser zu klappen und wer weiss, vielleicht kann ich im nächsten Jahr oder übernächsten Jahr erstmals für 1-2 Grüntees ernten. Bisher wollte ich die Pflanzen erstmals wachsen lassen. Aber zufrieden bin ich bis anhin überhaupt nicht mit dem Resultat.


Ich denke auch, dass man nie nur annähernd die Qualität von japanischem Grüntee erreichen wird. Dazu ist das Klima bei uns einfach nicht optimal dazu und auch die Verarbeitungsanlagen (in Japan gehören die teuren Anlagen oft Kooperativen) gibt es in der Schweiz (bisher) nicht. Wie eingangs Artikel gesagt, sollte der Tee jedoch nicht mit japanischen verglichen werden, sondern einfach trinkbar sein. Ich bin sicher, dass es ein tolles Erlebnis sein würde, den eigenen Tee zu trinken. :)

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