Teekultur mitten im Atlantik: Mein Besuch bei Chá Gorreana auf den Azoren
- mzumsteg

- vor 2 Tagen
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Ein Reisebericht und Blick hinter die Kulissen der ältesten Teeplantage Europas – von Gründergeschichten, historischen Maschinen und frisch aufgebrühtem Hysson-Grüntee.

Einleitung: Tee-Magie mitten im Ozean
Wenn man an saftig grüne Teeplantagen denkt, wandern die Gedanken meist sofort nach Sri Lanka, Japan oder Nordindien. Doch man muss nicht um die halbe Welt reisen, um herausragenden, handwerklich verarbeiteten Tee zu entdecken: Anfang Juni 2026 verbrachte ich meine Ferien auf der Azoren-Insel São Miguel mitten im Atlantik – und eines meiner absoluten Highlights war der Besuch der legendären Fábrica de Chá Gorreana.
Stell dir vor: sanft geschwungene, leuchtend grüne Teefelder, die in Hanglage direkt bis an den tiefblauen Ozean reichen, eingehüllt in eine frische Meeresbrise und die milde Atlantiksonne. In diesem Artikel nehme ich dich mit auf eine Reise durch die faszinierende Geschichte des azoreanischen Tees, erkläre dir den traditionellen Verarbeitungsprozess der Grünteesorten wie Hysson und zeige dir, warum dieses Fleckchen Erde ein absolutes Paradies für Teeliebhaber ist.
Die Geschichte des Teeanbaus auf den Azoren
Wie kommt die chinesische Teepflanze (Camellia sinensis) überhaupt auf eine abgelegene portugiesische Inselgruppe im Atlantik?
Die Geschichte begann im 19. Jahrhundert. Lange Zeit lebten die Azoren wirtschaftlich vom Export von Apfelsinen nach Grossbritannien. Als Mitte des 19. Jahrhunderts eine Pilzkrankheit die Orangenbäume verheerte, suchten die Einheimischen händeringend nach nachhaltigen landwirtschaftlichen Alternativen. Um 1878/1879 holte die Gesellschaft zur Förderung der azoreanischen Landwirtschaft zwei chinesische Teemeister aus Macau auf die Insel São Miguel, um das Know-how des Teeanbaus und der traditionellen Verarbeitung zu vermitteln.
Es stellte sich heraus, dass das Mikroklima auf São Miguel geradezu ideal war:
Kein Frost, dafür ganzjährig milde Temperaturen.
Hohe Luftfeuchtigkeit und regelmässige milde Regengüsse.
Nährstoffreiche, vulkanische Lehmböden mit leicht saurem pH-Wert.
Zudem gab es auf der isolierten Insel keine der typischen asiatischen Pflanzenschädlinge. Bis heute gedeiht der Tee hier völlig ohne Pestizide, Herbizide oder Fungizide – 100 % natürlich und Bio aus Überzeugung.

Chá Gorreana: Tradition seit 1883 & die Besonderheit des Hysson
Von den einst über 60 kleinen Teefabriken auf São Miguel hat nur eine einzige durchgehend seit dem 19. Jahrhundert bis heute überlebt: Chá Gorreana.
Gegründet im Jahr 1883 von Ermelinda Gago da Câmara und ihrer Familie, wird die Plantage heute in der 5. Generation als Familienbetrieb geführt. Auf rund 32 Hektar Fläche werden jährlich etwa 40 Tonnen hochwertiger Tee produziert.
Der grüne Schatz: Hysson (Chá Verde)
Besonders faszinierend für uns Grüntee-Enthusiasten ist die Herstellung des azoreanischen Grüntees. Gorreana ist bekannt für seine Traditions-Grünteesorte Hysson (oft auch Chá Verde Hysson genannt).
Für den Hysson werden im Frühsommer (Juli/August bzw. späten Frühjahr) die obersten drei Blätter des Triebs geerntet.
Der Tee zeichnet sich durch ein sehr zartes, leicht nussiges und angenehm spritziges Profil aus – mit auffallend wenig Bitterstoffen und einer wunderschönen, goldgrünen Tasse.
Der Teeverarbeitungsprozess: Ein Museum, das lebt
Das Beeindruckendste an der Fabrik von Gorreana ist, dass hier Geschichte nicht nur ausgestellt, sondern täglich gelebt wird. Die Hauptmaschinen für das Dämpfen, Rollen und Sortieren stammen von britischen Traditionsherstellern (wie Marshall und Jackson) aus der Zeit von 1840 bis zum frühen 20. Jahrhundert und laufen noch immer einwandfrei!
Ich konnte alles besichtigen und die Maschinen und Menschen in Aktion sehen.
Vor dem Eingang wird auch der Herstellungsprozess und auch die Unterscheidung von Grüntee zu Schwarztee auf einem Bild erklärt:

Der Prozess des Grüntees gliedert sich vor Ort in folgende Schritte:
Die Lese: Die Pflückung erfolgt in den Sommermonaten. Während heutzutage die Rekordmengen mit leichten Erntemaschinen geschnitten werden, erfolgt die Selektion nach wie vor mit grossem handwerklichem Gespür.
Welken & Dämpfen (Fixierung): Um die Oxidation (Fermentation) zu stoppen und die leuchtend grüne Farbe sowie die wertvollen Antioxidantien zu bewahren, werden die frisch geernteten Blätter gedämpft.
Das Rollen: Anschliessend kommen die Blätter in die historischen mechanischen Rollmaschinen. Durch das sanfte Rollen wird die Zellstruktur aufgebrochen, sodass die ätherischen Öle an die Blattoberfläche treten.
Trocknung & Sortierung: Nach dem Trocknen in grossen Öfen werden die Teeblätter über Rüttelsiebe nach Blattgrössen und Qualitäten (z.B. Hysson, Encosta de Tremoço) sortiert.
Verpackung: Zum Schluss werden die Tees von den Mitarbeiterinnen vor Ort oft noch in liebevoller Handarbeit abgepackt.
Der Shop vor Ort: Tee-Spezialitäten & Mitbringsel für Zuhause
Direkt an die historische Fabrik schliesst sich der werkseigene Shop von Gorreana an – ein wahres Paradies für Teegeniesser. Hier hat man die Möglichkeit, das gesamte Sortiment der Manufaktur frisch gepackt direkt ab Hof mitzunehmen.
Was gibt es im Gorreana Shop zu entdecken?
Klassische Reinsorten: Neben dem berühmten Chá Verde Hysson findet man auch seltene Spezialitäten wie Mist Slope oder die edlen Schwarztees (Orange Pekoe, Pekoe und Broken Leaf), verpackt als loser Tee oder in traditionellen Beuteln.
Aromatische Teemischungen: Sehr beliebt sind die hauseigenen Blends auf Grün- und Schwarzteebasis – verfeinert mit regionalen Zutaten wie azoreanischer Ananas (Green Tea & Pineapple), Pfefferminze, Zitronengras (Lucia-Lima), Hibiskus oder Anis.
Teegeschirr & Souvenirs: Von hübsch gestalteten Vintage-Teedosen im Gorreana-Design über Teekannen und Tassen bis hin zu Handwerkskunst und Erinnerungsstücken aus den Azoren.
Die Teedegustation vor Ort: Mein Geschmackserlebnis
Nach dem Rundgang durch die Fabrik geht es in den Verkaufs- und Probierraum, wo Besucher den frischen Tee direkt und kostenlos verkosten dürfen.
Ich habe dann zu Hause in unserem AirBnB den Tee täglich genossen.
Mein Geschmacksurteil zum Chá Verde Hysson:
Optik: Im Glas zeigt sich ein lichter, grün-goldener Aufguss.
Aroma: Der Duft erinnert an frische Wiesenkräuter, kombiniert mit einer dezent maritimen Note.
Geschmack: Am Gaumen ist der Tee ausgesprochen sanft, feinherb und wunderbar weich. Durch den vulkanischen Boden hat er eine ganz feine mineralische Note, die man so bei asiatischen Grüntees selten findet. Ein absolut ehrlicher, naturbelassener Tee!
Fazit & Urlaubseindrücke: Warum die Azoren eine Reise wert sind
Mein Ausflug zu Chá Gorreana Anfang Juni 2026 war weit mehr als nur ein Fachbesuch für den Blog – es war ein Naturerlebnis für alle Sinne.
São Miguel hat mich tief beeindruckt: Die magischen Vulkanseen wie die Lagoa das Sete Cidades (mit ihren zwei unterschiedlich farbigen Seeteilen) oder die mystische Lagoa do Fogo, die heissen Thermalquellen in Furnas und die schroffe, von wilden Hortensien gesäumte Küstenlinie machen die Insel zu einem echten Paradies.

Dass man all diese Naturwunder mit dem Genuss von lokalem, biologisch angebautem Grüntee verbinden kann, macht die Azoren für Teeliebhaber zu einem einzigartigen Reiseziel.
Hast du schon einmal Tee von den Azoren probiert oder planst du vielleicht selbst eine Reise nach São Miguel? Schreib es mir unbedingt in die Kommentare oder schick mir eine Nachricht – ich freue mich auf den Austausch mit euch!
Euer g-tee.ch Team





































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